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VI. Notfälle
A. Vorbemerkung
In diesem Kapitel kommen Situationen zur
Sprache, welche eine unmittelbare Lebensbedrohung darstellen, oder
welche eine notfallmässige Versorgung erfordern, damit keine bleibenden
Schäden entstehen. Die Ausführungen sollen die Fähigkeit vermitteln,
zwischen echten und vermeintlichen Notfällen zu unterscheiden und richtig
zu reagieren. Damit kann man sich viel Ärger und eine Menge Geld sparen.
B. Augen
1. Hornhautverletzung
U: Bei Raufereien oder Unfällen können
kleinere oder grössere Hornhautschnitte, manchmal auch Durchstiche von
Katzenkrallen, entstehen. Mit einer starken Lampe und eventuell einer Lupe
sieht man solche Verletzungen leicht, sofern die Bindehäute noch nicht
extrem verschwollen sind. An einem solchen Auge sollte man selbst nichts
machen. Tierärztliche Hilfe ist dringend.
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Symptome:
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Œ
Zusammenklemmen der Lider; ev. Reibendes Auges mit der Pfote.
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Bindehäute leicht bis stark geschwollen;
Hornaut mit Schnitt, ev. verschmutzt; ev. Hornhaut perforiert von Katzenkralle.
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Therapie:
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Falls Hornhaut durchtrennt und ev. weitere |
 | Falls Hornhaut nicht durchtrennt
oder nur feine
Durchstichverletzung:
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A: Nebacetin®-Augensalbe,
tgl. 2-3 x
anwenden, 10Tage, zur Infektionsbekämpfung
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A:
Keratyl®-Augentropfen,
tgl. 2-3 x anwenden 3 Wochen, zur Anregung der Hornhautheilung
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A:
Antibiotika-Tabletten, 2
x täglich, 7 Tage
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Bei normalem Verlauf sprossen feine Blutgefässe in
den Defekt ein und bewirken das prompte Verheilen der Wunde. Nach ca. 10
Tagen bleibt ein weisser Fleck übrig, welcher dann mit einer
cortisonhaltigen Salbe innert Kürze aufgehellt wird. Gesamthaft dauert
die Behandlung einer Hornhautverletzung etwa 3 Wochen und muss unter tierärztlicher
Kontrolle geschehen.
2. Lidrandverletzung
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Ursache: Lidrandverletzungen entstehen meist bei
Raufereien unter Hunden. Je nach Tiefe der Ein- risse kann die
Situation recht schrecklich aussehen. Bei unverletztem Auge ist aber alles
nur halb so schlimm. Die Lider lassen sich sehr gut nähen und heilen
schnell zusammen. Hässliche Narben gibt es kaum. Tierärztliche Hilfe ist
innert einiger Stunden erforderlich.
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Symptome:
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Œ Ev.
Reiben des Auges.
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Ev. starkes Klaffen des eingerissenden
Lides, Herunterhängen des Lides; ev. erhebliche Blutung.
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Therapie: Lidnaht mit sehr feinem Faden. Nach 7-10
Tagen Fäden ziehen.
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A:
Nebacetin®-Augensalbe,
tgl. 2-3 x anwenden,
5 Tage, zur Infektions- bekämpfung.
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A:
Antibiotika-Tabletten, 2
x täglich, 7 Tage
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C. Maulhöhle
1. Fremdkörper im Maul
U: Im Maul oder Rachen eingeklemmte Fremdkörper können
eine lebensbedrohliche Atmungsbehinderung verursachen. Hier ist unbedingt
mutige Selbsthilfe gefragt, damit ihr Tier nicht auf der Fahrt zum
Tierarzt erstickt.
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Symptome:
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Œ
Versucht
mit beiden Pfoten etwas aus dem
Maul zu entfernen;
ev. Speicheln; ev. Keuchen, Röcheln. |
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Im Rachen, im Gaumen oder an den
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Therapie: Maul öffnen - Situation beurteilen - mit
schnellem, mutigem Griff den Fremdkörper
fassen und entfernen.
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Die meisten FK lassen sich so entfernen. Hie und da
gibt es Ausnahmefälle, v.a. wenn sich ein Tier zur Wehr setzt. Dann
bleibt nur die tierärztliche Hilfe. Das Problem wird unter leichter
Sedation behoben.
2. Schnittverletzung im Maul
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Ursache: Am häufigsten entstehen Schnittverletzungen im
Rachen beim Werfen von Knebeln mit scharfkantigen Enden. Erreichen die
Hunde den Gegenstand noch während der Bewegung, kann es vorkommen, dass
der Knebel ins Maul eindringt und im Rachen erhebliche Verletzungen
verursacht. Meist entsteht eine erhebliche, aber selbst stillende Blutung.
Tierärztliche Behandlung ist notwendig.
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Therapie: Je nach Grösse der Wunde muss genäht
werden.
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A
Antibiotika-Tabletten, 2 x täglich, 7 Tage
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Ho
Traumeel®-Tabletten, 2
x täglich, 7 Tage
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D. Verdauungsapparat
1. Magendrehung
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Ursache: Bei grösseren Hunden kann es zur Überdrehung
des Magens und als Folge zur Zudrehung der Speiseröhre und des Magen-
ausganges kommen. Durch die Gärung bilden sich immer mehr Gase,
welchen den Magen zu
einer enormen Grösse aufblähen lassen. Durch den erhöhten
Druck wird die Blutzirkulation des Magen schwer behindert und es entstehen
immer mehr Endtoxine (innere Giftstoffe). Die Herz- frequenz wird schneller
und es bahnt sich ein sogenannter Endotoxin-Schock an, welcher zum Tod führt.
Die Magendrehung ist daher ein äusserst dringender Notfall.
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Symptome:
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Œ
Unruhiges Umherlaufen, will nicht abliegen;
ev. Würgen.
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Stark
geblähter Bauch, wie eine Trommel;
Schmerzäusserung bei Druck
auf den
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Therapie:
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Bei starker Blähung, schlechtem Zustand und
langem Weg zum Tierarzt: Notfalls in
Selbst
hilfe das Gas
ablassen mittels einer dicken
Kanüle.
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Beim Tierarzt:
Operation:
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Nach dem Öffnen des Bauches wird das Gas abgelassen
und der Mageninhalt entfernt. Nach der Zurückdrehung vernähen manche
Tierärzte einen Bezirk des Magens mit der Bauchwand, um einem Rückfall
vorzubeugen. Die Überlebens- chancen der Hunde sind umso besser, je früher
der Eingriff stattfindet.
Magendrehungen entstehen meist 1-2 Stunden nach der
Fütterung. Auslösende Faktoren sind übermässige Magenbeladung und ev.
zuviel Bewegung nach der Mahlzeit. Betroffen werden fast ausschliesslich
grössere Hunde. Als Vorbeugemassnahme bewährt sich die zweimalige Fütterung
pro Tag mit anschliessender Ruhe. Bei besonders gefährdeten Hunden kann
man die tägliche Menge auch auf drei Mahlzeiten verteilen.
2. Fremdkörper verschluckt
Ab und zu kommt es vor, dass ein Hund oder eine
Katze gerade beim Abschlucken eines Fremdkörpers beobachtet wird. Meist
lässt sich das Malheur nicht mehr verhindern. Was soll man jetzt tun? Am
gescheitesten holt man sich tierärztlichen Rat solange der
Gegenstand noch im Magen ist. Wird der Entschluss gefasst, das Tier
erbrechen zu lassen, gibt man ihm vorher noch etwas Futter, damit genügend
Substanz hochgefördert wird. Mit einer Apomorphin® Injektion bei Hunden,
oder einer Xylapan®- Injektion bei Katzen, kommt es zum Erbechen und in
den allermeisten Fällen zur Lösung des Problems. Sollte es einmal schon
zu spät sein, entscheidet der Tierarzt, ob Abwarten möglich ist, oder ob
eine Operation folgen muss.
S.177 "Der kleine Tierarzt"
Das Kapitel umfasst 7 Seiten.
S. 177-184.
I.
Bau und Funktionen Organismus S.
11
"Der kleine Tierarzt" II.
Untersuchungsgang und Untersuchungstechnik S.
61
"Der kleine Tierarzt" III.
Medikamentenlehre S.
73
"Der kleine Tierarzt" IV.
Apotheke S. 97
"Der kleine Tierarzt" V.
Alltägliche Krankheiten und deren Behandlung S.
101
"Der kleine Tierarzt" VI.
Notfälle S. 177
"Der kleine Tierarzt" VII.
Fortpflanzung S. 185
"Der kleine Tierarzt" VIII.
Gesundheitsvorsorge S.
193
"Der kleine Tierarzt"
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